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„Gelassen Grenzen setzen“

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familylab-Vortrag mit Constanze Volhard im Aikido Zentrum Offenbach

Zu unserer großen Freude hat Constanze Volhard gestern Abend ihre Vortragsreihe zu Themen rund um Kinder, Familie und Erziehung fortgesetzt. „Grenzen setzen“ stößt offenkundig auf großes Interesse, an diesem Abend finden sich deutlich mehr Interessierte im Aikido Zentrum ein als bei den vorherigen familylab-Vorträgen. In der späteren Gesprächsrunde wird auch deutlich, worin die Hoffnung zu liegen scheint: Groß scheint das Bedürfnis nach Rezepten zu sein, mit denen man die Kinder dazu bringen kann zu funktionieren – so wie es viele Erziehungsratgeber der vergangenen Jahre versprechen.

Doch Constanze Volhard macht gleich zu Beginn ihres Vortrags sehr deutlich, dass es in der familylab-Arbeit nicht um die Durchsetzung von Verhaltensmaßregeln geht, sondern um Selbstwahrnehmung und Beziehung: Constanze Volhard ermutigt die Eltern, in sich selbst hinein zu spüren, die eigenen (je nach Tagesform durchaus auch wandelbaren) Grenzen wahrzunehmen, und diese authentischen Grenzen (hinter denen immer Bedürfnisse stehen) mitzuteilen. Wenn wir uns hierzu einer wertschätzenden, persönlichen Sprache bedienen, „ich möchte bzw. will“ sagen statt „Du musst“, dann entsteht ein echter Kontakt, eine Beziehung zwischen Erwachsenen und Kind, die dem Kind hilft, zu wachsen und ein eigenständiger Mensch zu werden – statt in einer „Box von Regeln“ eingesperrt zu sein, die das Kind einsam macht. Das große Versprechen der familylab-Arbeit nach dem dänischen Pädagogen Jesper Juul liegt eben darin, sich selbst wie auch dem Kind einen gemeinsamen bereichernden Wachstumsprozess zu ermöglichen.

Anhand von persönlichen Beispielen aus dem Publikum zeigte Constanze Volhard auf, wie dieser Ansatz konkrete Anwendung finden kann in Situationen, in denen Kindern ihre Zähne nicht putzen, ihre Schuhe nicht ausziehen wollen oder es so tun, das der ganze Flur beschmutzt ist etc. pp. Es wurde sehr deutlich, dass die Themen immer wieder die gleichen sind, und eine große Entlastung liegt sicherlich darin: Mitzukriegen, dass das eigene Kind nicht zu einem asozialen Wesen mutiert, sondern gerade etwas anderes will. Und das sich an diesem Punkt die Frage lohnt: Wie wichtig ist es mir, dass mein Kind jetzt die Zähne putzt, die Schuhe auszieht, und das so tut, dass ich nicht anschließend den Flur streichen muss. Und wenn ich feststelle, dass es mir wichtig ist, dies als persönliches Anliegen zu vertreten, verbunden mit Verständnis für die Situation des Kindes.

Die intensive Gesprächsrunde machte deutlich, wie schwierig dieser Ansatz bisweilen erscheint, wenn das Funktionieren angesichts der alltäglichen Anforderungen des Lebens im Vordergrund steht – da bleibt wenig ZeitRaum für das Spüren und den Kontakt.

Oder es fällt schwer, den lauthals kund getanen Frust des eigenen Kindes angesichts der Begrenzung nehmen zu können. Dies hat mannigfache Gründe, die oft in der eigenen Biographie zu finden sind – schließlich hat Aggression einen schlechten Stand in unserer Kultur. Doch dies ist ein anderes Themengebiet, auf das Constanze Volhard bereits in einem früheren Vortrag eingegangen ist.

(Wer sich für Möglichkeiten zum Umgang mit Wut und Aggression interessiert, den betreffenden Vortrag verpasst hat und / oder mehr darüber erfahren möchte, dem seien unsere gemeinsamen Workshops „Die Wut will raus“ ans Herz gelegt. Hier verbinden wir die Ansätze aus der familylab-Arbeit mit Körpererfahrungen aus dem Aikido (nähere Infos unter http://familylab.de/offenbach-2003–24042016–die-wut-will-raus-fur-einen-konstruktiven-umgang-mit-aggression.asp).)

Wir bedanken uns sehr für Ihr und Euer zahlreiches Erscheinen sowie für die persönlichen Beiträge in der Gesprächsrunde – das machte den Abend sehr lebendig und anregend. Und wir wünschen allen Eltern die Kraft und den Mut, Schritte hin zu mehr Beziehung mit den eigenen Kindern (und anderen Menschen) auszuprobieren. Am Ende wartet die Freude und die Befriedigung, die ein echter Kontakt mit sich bringt!

Annette Röllig

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